{"id":615,"date":"2008-02-22T20:09:07","date_gmt":"2008-02-22T19:09:07","guid":{"rendered":"https:\/\/linux4afrika.de\/?p=615"},"modified":"2017-03-09T11:17:52","modified_gmt":"2017-03-09T10:17:52","slug":"verstaerkung-aus-deutschland-und-eine-krisensitzung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/linux4afrika.de\/?p=615&lang=de","title":{"rendered":"Verst\u00e4rkung aus Deutschland und eine Krisensitzung"},"content":{"rendered":"<p>Baraka und ich sind noch in Bagamoyo und beenden hier das Training. Am Mittag soll der Agumba Kleinbus kommen und die fehlenden Computerteile aus Dar es Salaam f\u00fcr die Kizuiani Schule liefern. Nach einem abschlie\u00dfenden Testlauf unseres Systems an der Schule wird es dann zur\u00fcck nach Dar es Salaam gehen, wo ich Franz und hoffentlich auch den inzwischen eingetroffenen Michael wiedersehen werde.<\/p>\n<h2>Eine Panne nach der anderen<\/h2>\n<p>Aber &#8211; es kommt mal wieder alles ganz anders als geplant: Der Kleinbus kommt p\u00fcnktlich aus Dar, (gro\u00dfe \u00dcberraschung ) der Fahrer geht noch schnell zum Mittagessen. Als er zur\u00fcckkommt, zeigt er Baraka und mir den vorderen linken Reifen. Der ist platt. Dem nicht genug, der PKW, der zu unserem Personentransport eingesetzt wird, hat zwei Reifen, die ebenfalls nahezu platt sind. Ok, am Kleinbus wird der Schlappen halt gewechselt, der Fahrer hat darin \u00dcbung. Am PKW gestaltet sich das schwieriger und das Problem kann hier nicht gel\u00f6st werden. Wir machen uns erst einmal auf den Weg zur Kizuiani Schule.<\/p>\n<p>Seit Mittag gibt es \u00fcbrigens in ganz Bagamoyo keinen Strom. Erschwerte Bedingungen f\u00fcr uns.<\/p>\n<h2>Herzliche Eltern danken sich<\/h2>\n<p>Nachdem wir mit den Arbeiten an der Schule fertig sind, folgt dort eine gro\u00dfe Verabschiedung mit vielen Umarmungen. Frau Haule, die Schulleiterin, hat noch eine kleine \u00dcberraschung f\u00fcr uns. Sie f\u00fchrt uns in ein Klassenzimmer, indem jedoch keine Sch\u00fcler, sondern Eltern auf uns warten. Wie nett. Wir f\u00fchren Smalltalk. F\u00fcr Baraka kein Problem! Man stellt mir den Elternvertreter vor. Ein \u00e4lterer Mann, dem man sein arbeitsreiches Leben ansieht. Er redet sofort auf mich ein, viele Worte kommen aus seinem Mund, von denen ich kein einziges verstehe. Baraka erkl\u00e4rt ihm, dass ich kein Kisuaheli verstehe, also beginnt er nochmals von vorne. Nun wird alles viel k\u00fcrzer, ein nettes \u201ethank you very much\u201c, dann sind seine Englischkenntnisse ersch\u00f6pft. Ich bedanke mich ebenfalls bei ihm, lasse Baraka \u00fcbersetzen und bin mal wieder tief beeindruckt von der Herzlichkeit der Menschen hier.<\/p>\n<p>Inzwischen ist es 16:30 und es geht zur\u00fcck nach Dar es Salaam mit einem Kleinbus, dessen Ersatzrad keine einizige Profilspur mehr zeigt und einem PKW mit verdammt wenig Luft in den Reifen. Kolonnenfahrt bis zur n\u00e4chsten Werkstatt oder Tankstelle ist angesagt. Diese finden wir dann kurz vor Dar es Salaam.<\/p>\n<h2>Der Schl\u00fcssel ist weg<\/h2>\n<p>Es ist bereits Abend und dunkel, als wir vor dem Ushiraka Geb\u00e4ude, indem sich das Agumba B\u00fcro befindet, parken. Heute haben wir sogar einen Parkplatz direkt vor dem Geb\u00e4ude gefunden, aber wohl nur deshalb, weil um diese Uhrzeit hier keiner mehr arbeitet. Paul kommt uns vor dem Eingang entgegen, wie so oft mit Handy am Ohr: \u201eOh Hans, this is a very bad day for me\u201c, begr\u00fc\u00dft er mich. Mein zaghafter Einwand: &#8222;For me too&#8220; geht jedoch irgendwie unter bei der Erz\u00e4hlung seiner Geschichte: Er war heute im Ministerium eingeladen, irgend etwas Wichtiges hatte er dort zu erledigen. Nach seiner R\u00fcckkehr war dann sein B\u00fcro abgeschlossen und die Sekret\u00e4rin mit dem Schl\u00fcssel bereits nach Hause gegangen. Man habe sie jedoch inzwischen angerufen und sie sei auf dem Weg hierher um den Schl\u00fcssel zu bringen. Wir warten also auf sie &#8211; geschlagene 2 Stunden dauert es &#8211; und ich kann nicht verleugnen, dass sich in mir in dieser Zeit eine gewisse Frustration und ein Anflug von Groll breit macht.<\/p>\n<h2>Michael ist angekommen<\/h2>\n<p>Durch die vielen ungl\u00fccklichen Situationen heute frage ich mal vorsichtig nach, ob denn Michael inzwischen vom Flugplatz abgeholt wurde. Ein von Paul mit strahlendem Gesicht verk\u00fcndetes \u201eJa\u201c macht mich f\u00fcr einen Moment gl\u00fccklich, dann folgt jedoch ein: \u201eAber stell dir vor Hans, das Hotel war total ausgebucht und es gab kein Zimmer mehr f\u00fcr Michael, obwohl ich pers\u00f6nlich reserviert hatte\u201c. &#8211; Tiefes Luft holen meinerseits &#8211; \u201eGeorge W. Bush hat Tansania doch verlassen und die Hotelsituation m\u00fcsste sich doch entspannt haben\u201c, wende ich ein. Ich solle mir mal keine Gedanken machen, sagt Paul, er habe das schon alles geregelt. Er sei zum Hotel gefahren und habe an der Rezeption \u201eein kl\u00e4rendes Gespr\u00e4ch gef\u00fchrt\u201c. Franz k\u00f6nne das best\u00e4tigen. Sp\u00e4ter erfahre ich, dass <em>alle<\/em> G\u00e4ste in der Empfangshalle unfreiwillig Zeuge dieses Gespr\u00e4chs wurden. Ich kenne Paul und kann es mir nur zu gut vorstellen&#8230;\u00a0Irgendwann, Stunden sp\u00e4ter, bin ich dann im Hotel, kann Franz und Michael endlich begr\u00fc\u00dfen und cool, wir haben alle ein Zimmer.<\/p>\n<h2>Paul, wir m\u00fcssen reden\u2026<\/h2>\n<p>Drei kalte Kilimandscharo Bier an der Bar mit Michael und Franz lassen mich etwas relaxen. Ich habe Paul um ein Krisengespr\u00e4ch gebeten und er will dazu sp\u00e4ter noch zu uns ins Hotel kommen. Die Zeit vergeht und wir glauben nicht mehr, dass daraus noch etwas wird, aber dann kommt er doch, begleitet von Seba und Baraka, unseren beiden Linux4Afrika-Praktikanten.<\/p>\n<p>Unser Krisengespr\u00e4ch kann also beginnen: Ziemliche Frustration auf unserer Seite, da wir seit Beginn unseres Aufenthaltes gerade mal 25 von 200 Computer erfolgreich ausgeliefert und installiert haben. Feststellung, dass wir alle nicht gl\u00fccklich \u00fcber diese Situation sind. Was tun? Zuerst stornieren wir die Wochenendtour nach Sansibar. Stattdessen werden wir am Samstag in der Lagerhalle 60 PCs zusammenstellen, nochmals testen und f\u00fcr den Transport an drei Schulen vorbereiten. Am Montag, so planen wir, werden wir diese Schulen besuchen und die Agumba-Techniker werden die Verkabelung schnellstm\u00f6glich vornehmen. Damit erreichen wir hoffendlich, dass bis zu unserer Abreise die H\u00e4lfte der Hardware \u00fcbergeben wurde.<\/p>\n<h2>Zum Training nach Deutschland<\/h2>\n<p>Wir besprechen ein weiteres Problem: Die Auslieferung und Installation der gro\u00dfen Anzahl gespendeter PCs, die noch in Deutschland warten, macht uns Sorge. Wie k\u00f6nnen diese hier effizienter ausgeliefert und in Betrieb genommen werden? Wie schon so oft, kommt Michael mit einem genialen Vorschlag. Er will die Flugkosten f\u00fcr einen motivierten tansanianischen Administrator \u00fcbernehmen und auch f\u00fcr eine dreimonatige kostenlose Unterbringung in Deutschland sorgen. W\u00e4hrend dieser Zeit k\u00f6nnte FreiOSS den Praktikanten mit allem notwendigen Wissen \u00fcber unsere Linux4Afrika-L\u00f6sung ausstatten. Im Gegenzug erkl\u00e4rt sich der Praktikant bereit, sich nach R\u00fcckkehr zusammen mit Agumba drei bis vier Monate ausschlie\u00dflich um die Auslieferung und Installation der Linux4Afrika Computer zu k\u00fcmmern.<\/p>\n<p>Wir kommen zu dem Schluss, dass hier vor Ort weitere Unterst\u00fctzung durch unseren Verein n\u00f6tig ist und geleistet werden muss, damit es hier nicht zu einem \u201eComputerstau\u201c kommt und Michaels Idee ist \u00fcberlegenswert und f\u00fchrt in die richtige Richtung. Sollten wir sie verwirklichen, w\u00e4re dies allerdings mit weiteren finanziellen Kosten f\u00fcr den Verein verbunden. Wir werden auf der CeBIT versuchen, Sponsoren f\u00fcr diese Praktikums-Idee zu finden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Baraka und ich sind noch in Bagamoyo und beenden hier das Training. 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